Hauptmenü
Auf der Spur der großen Aktiengewinne.
Nachher ist man immer schlauer. Außer bei Finanzkrisen. Da reagieren Banken, Investoren und Händler stets aufs Neue geschockt.
Zum Beispiel, als die Zahl der Zwangsversteigerungen in den USA im Juni 2008 um 53 Prozent zulegte. Als die viertgrößte US Bank Wachovia ein Quartalsminus von 2.8 Milliarden Dollar einfuhr.
Als Gerüchte über eine Pleite der US-Baufinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac die Runde machten. Oder als für den Konkurrenten Indymac der amerikanische Einlagensicherungsfonds einspringen musste.
Der breite Kursverfall belegt, dass die Nerven der Börsianer blank liegen. Dabei waren die Probleme längst vorhersehbar. Bisher hat der Finanzsektor wegen des Subprime-Debakels erst rund 400 Milliarden Dollar abgeschrieben .
Schon im April 2008 wies der Internationale Währungsfonds darauf hin, dass die tatsächlichen Verluste voraussichtlich bei 945 Milliarden Dollar liegen. Ob Frankfurt, New York, Dubai oder Jakarta: Blasen und Crashs gehören zum Wesen der Börse, spätestens seit dem 17. Jahrhundert, als in den Niederlanden die Preise für Tulpenzwiebeln in die Höhe schossen. Wer an den Finanzmärkten investieren will, sollte die Tücken kennen.
Es gibt kein einziges Modell, das die Schwankungen an den Börsen korrekt vorhersagen kann. Der Kapitalmarkt ist ein Tollhaus der Kausalketten, ein extrem komplexes System mit Millionen von Akteuren, die allein an den Devisenmärkten jeden Tag mehr als drei Billionen Dollar um den Globus jagen. Mal sielt in diesem Schauspiel die Realwirtschaft die Hauptrolle, mal der Zufall, mal die Mathematik, mal die Psychologie. Die aktuelle Unsicherheit der Finanzakteure demonstriert also auch ihr mangelndes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Die zweifelt Nassim Taleb, Professor für Mathematik an der New York University, schon lange an. "Banken haben die Neigung, auf Zeitbomben zu sitzen, während sie sich selbst davon zu überzeugen versuchen, konservativ und beständig zu sein", wettert der ehemalige Devisenhändler. Für den Kern des Übels hält der Bestsellerautor die gängigen Modelle zur Risikobestimmung und Portfoliozusammenstetzung. Weil sie sich auf falsche Annahmen über den Charakter der Finanzmärkte stützen, gaukeln sie eine Sicherheit vor, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat, mein Taleb. Und tatsächlich: Ständig verhalten sich die Börsen anders, als es die Modelle vorschreiben.
Starke Kurssprünge treten zu häufig auf, Crashs breiten sich wie Lauffeuer über Kontinente und Anlageklassen aus. Überall scheint die Neigung zu Blasen und Kurseinbrüchen die Erwartungen weit zu übertreffen. " Alle Modelle sich falsch, einige sind nützlich und einige sehr gefährlich", sagt auch Stefan Mittnik, Professor für Finanzökonometrie an der Universität München. Das Nachsehen haben nicht nur Banken, sondern auch die Privatanleger. Die Kurse ihrer Aktien stürzen ab, wenn die Wirtschaft mal wieder am Abgrund von Rezession und Kreditklemme steht . Es hilft auch wenig, sein Geld einem der rund 7000 in Deutschland zugelassenen Publikumsfonds anzuvertrauen, weil sich deren Manager ebenso auf falsche Annahmen verlassen. Die ganze Finanzbranche kocht eine äußerst heiße Börsensuppe, ohne die Zutaten wirklich zu kennen. Da kann es schon mal vorkommen, dass ihr der Kessel um die Ohren fliegt und der Investor 100 000 Euro in den Sand setzt. Deshalb sollten sich Anleger mit den Launen der Aktienpreise und Märkte vertraut machen.
Wer die Antwort auf ein paar grundlegende Fragen kennt, wird zwar nicht automatisch reich, aber er kann sich vor bösen Überraschungen schützen.